Karen-Henrike Berg Buddenbrooks. Doc



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II.2.4. H

anno 

L'humanité s'affirme par l'infirmité.

129

 

Victor Hugo 



                                                 

128


Bereits in der Erzählung  Der kleine Herr Friedemann finden sich ähnliche vorausdeutende 

Anspielungen auf den Tod des Protagonisten. Friedemann geht mehrmals eine Straße entlang, "die 

ziemlich steil zum Flusse hinunterlief" (M,VIII,90), und in der bezeichnenderweise das Theater liegt, 

in dem er die folgenschwere Begegnung mit Gerda von Rinnlingen in Kombination mit seinem 

Wagner-Rausch hat. Der Garten Frau von Rinnlingens "geht bis zum Flusse hinunter" (M,VIII,96). 

Nach seinem ersten Besuch bei ihr geht Friedemann "unten am Fluß entlang" spazieren (M,VIII,98) 

und spielt bereits mit dem Gedanken, sich hineinzustürzen. Auf der Soirée bei von Rinnlingens führt 

Gerda ihn hinunter zum Fluß, wobei bereits das "jenseitige Ufer" erwähnt wird (M,VIII,103f.). 

Heftrich sieht darin eine Anspielung auf die ägyptischen Totenstädte, die auch jenseits des Nils 

lagen, und zu denen man die Toten übersetzen mußte (Heftrich:  Apokalypse, S.38). Auch ist es 

möglich, im Fluß eine mythologische Anspielung (Übersetzen zum  Hades) zu sehen. 

129


"Die Menschlichkeit offenbart sich in der Schwäche."  


 

 

59



Von Hanno ist erstmals anläßlich seiner Tauffeier die Rede, einer Veranstaltung, die 

Schwan treffend als "Totentanz an Hannos Wiege" bezeichnet.

130

 Im Hinblick auf sein 



späteres Schicksal  - seine häufigen Krankheiten und seinen frühen Tod - werden dort 

wichtige vorausdeutende Hinweise gegeben. 

Die Spannung wird vom Anfang des Kapitels an sorgfältig auf Hanno hin aufgebaut. 

Dies beginnt mit dem emphatischen Ausruf: "Taufe! Taufe in der Breiten Straße!" 

(M,I,395). Darauf folgt, verstärkend, der dreifache Ausruf, der Tonys Gedanken 

wiedergeben könnte: "ein Erbe! Ein Stammhalter! Ein Buddenbrook!" (M,I,396), und 

daran schließen sich die drei teilweise rhetorisch wiederholenden Fragen an: "Begreift 

man, was das bedeutet? Begreift man das stille Entzücken (...)? Den stummen 

Enthusiasmus (...)?" (M,I,396). Und schließlich werden Spannung und Emphase auf die 

Spitze getrieben in einem Satz, der in einem einzigen Atemzug ausgerufen zu sein scheint: 

"Und nun (...),  nun ist er da  (...),  er, auf dem längst so viele Hoffnungen ruhen, von 

dem längst so viel gesprochen, der seit Jahren erwartet, ersehnt worden, den man von 

Gott erbeten und um den man Doktor Grabow gequält hat ... er ist da und sieht ganz 

unscheinbar aus" (M,I,396, Hervorhebungen v.d.V.). 

Die letzten fünf Worte lassen die vorher ständig gesteigerte Spannung plötzlich und 

unvermittelt abfallen. Die übersteigerten Erwartungen stehen in starkem Kontrast zu 

dem, was Wirklichkeit ist. In diesem Abschnitt ist vorweggenommem, was Thomas und 

alle anderen erst später begreifen werden: Daß Hanno all diese Hoffnungen nicht erfüllen 

wird.


131

 Dies wird auch dadurch deutlich, daß die Menge der Taufnamen, mit der 

Hanno symbolisch die Bürde aller Ansprüche und Erwartungen übertragen wird, die 

seine Familie an ihn hat, später auf den schlichten Ruf- und Kosenamen Hanno reduziert 

wird.

132


  

 Doch eine Vorahnung dessen beschleicht den aufmerksamen Beobachter schon am 

Tag der Taufe selbst  - wenn er sich den Täufling ansieht. Um seine Zartheit und 

Unscheinbarkeit besonders hervorzuheben, präsentiert ihn der Erzähler auf den starken 

Armen einer vor Leben und Gesundheit strotzenden Amme: Eine "reich in Rot und Gold 

gekleidete,  große, stämmige, sorgfältig genährte Person" hält "ein  kleines, unter 

Spitzen und Atlasschleifen  verschwindendes Etwas auf ihren  schwellenden Armen" 

(M,I,396, Hervorhebungen v.d.V.).

133

  

                                                 



130

Schwan: Festlichkeit, S.24f. 

131

Vgl. Vogt: Buddenbrooks, S.94 



132

Vgl. Rümmele: Mikrokosmos, S.37 

133

Die Beschreibung der Amme entspricht im Wortlaut fast genau der der Amme des kleinen Anton 



Klöterjahn in Manns Novelle  Tristan.  Dort dient diese Schilderung allerdings nicht der 

Kontrastierung mit dem dort exzessiv vitalen Baby, sondern der Gegenüberstellung der Vitalität 

Antons und der Amme einerseits und der Dekadenz Gabriele Ekhofs und Detlev Spinells 

andererseits, vgl. M,VIII,262. 




 

 

60



In der Beschreibung des Täuflings frappiert eine Gleichgültigkeit seiner Umwelt 

gegenüber, die tatsächlich "ein vier Wochen altes nicht zum besten" kleidet, aber bereits 

"dem Gesichtchen, das noch kaum eines ist, etwas vorzeitig Charakteristisches" gibt 

(M,I,396). Der Gesichtsausdruck des vier Wochen alten Hanno deutet voraus auf seine 

künftige Einstellung zur Welt und zum geräuschvollen Getümmel des Lebens, das er 

verwirft. Vergeblich wohl würde man in irgend einem Babygesicht einen vergleichbaren 

Ausdruck suchen, der sich bei Hanno sogar bis hinein in die Körpersprache zeigt: 

Abwesend spielt er mit dem Schmuck der Amme, sein Kopf ist "ein wenig seitwärts (...) 

unachtsam vom Pastor abgewandt", und mit dieser Unaufmerksamkeit, diesem 

Desinteresse begegnet er auch den anderen, die er "mit einem beinahe altklug prüfenden 

Blinzeln" mustert (M,I,396). 

Vergleicht man diese Darstellung eines kleinen Kindes mit der anderer in 




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