Karen-Henrike Berg Buddenbrooks. Doc



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I.10. N

euntes Kapitel: Abschied. "Dominus providebit"

 

Il est rare qu'un cataclysme 



se produise sans phénomènes avant-coureurs.

62

 



Raymond Radiguet 

 

Als Jean die Gäste bis an die Haustür geleitet, werden die Öllampen, die über der 



Straße aufgehängt sind, eigens erwähnt - sie flackern unruhig (M,I,43). Hier wird ganz 

leise ein Motiv aus dem Revolutions-Kapitel angeschlagen  - dort wird Jean seinem 

Ärger über die Lübecker "Revolution" anläßlich des Verstoßes gegen die Ordnung, den 

das Unterlassen des Lampenanzündens für ihn darstellt, Luft machen.

63

 Leberecht 



Kröger steigt am Ende dieses festlichen Abends in die gleiche Kutsche, in der er am 

Abend des Revolutionstages mit seinem Schwiegersohn nach Hause fahren wird, um 

kurz darauf das Zeitliche zu segnen (M,I,194ff.), und als Jean seine Gäste verabschiedet 

hat und ins Haus zurückkehrt, hat er eine kurze Unterredung mit der Köchin Trina 

                                                 

61

Struc: Gestalten, S.40 



62

"Selten kommt es ohne Vorzeichen zur Katastrophe."  

63

Vgl. M,I,192 




 

 

28



(M,I,44), die anläßlich der Revolution so umstürzlerische Ansichten vertreten wird, daß 

man ihr kündigt.

64

 

 



Hier werden also dicht hintereinander Personen und Gegenstände erwähnt, die im 

Revolutions-Kapitel eine wichtige Rolle spielen. 

 

Die Stimmung dieser Abschiedsszene ist trostlos und düster, die Lampen flackern, 



"feuchtes Gras sproß zwischen dem schlechten Pflaster", alles ist in "Schatten, 

Dunkelheit und Regen" gehüllt (M,I,43f.).

65

 Jean wirkt hier - wie schon mehrfach vorher 



in einzelnen Momenten des Abends  - einsam, isoliert und auf sich selbst 

zurückgeworfen. Lange horcht er noch auf die Schritte, die "in den menschenleeren, 

nassen und mattbeleuchteten Straßen verhallten" (M,I,44). Ausgerechnet in diesem 

traurigen Augenblick fällt sein Blick auf das "Dominus providebit" über der Haustür. 

Über Jeans Gefühle und Gedanken bei diesem Anblick erfährt der Leser nichts,

66

 und 



doch legt die Situation es nahe, daß er angesichts der trüben Stimmung und der 

unangenehmen, noch ausstehenden Aussprache mit seinem Vater voller Sorge ist. 

Inwieweit er das Gottvertrauen, das der Spruch über der Haustür ausdrückt, teilt, ist - 

wenn Jean sich auch später oft auf Gottes Willen beruft  - in seiner skeptisch-

pessimistischen Äußerung über die Notwendigkeit des Niedergangs der Ratenkamps 

deutlich geworden. 

 

Jedoch läßt sich der Spruch nicht nur als Ausdruck eines ungebrochenen, naiv-



gläubigen Gottvertrauens lesen ("Der Herr wird vorsorgen"). Man kann ihn auch 

übersetzen als "Der Herr wird voraussehen". Dann ist die Aussage zunächst neutral  - 



Was der Herr voraussehen wird, ob Gutes oder Böses für die Buddenbrooks, ist damit 

nicht gesagt.

67

 Aber eine Deutung liegt für den Leser bereits nahe. Bei der 



Abendunterhaltung hat er erfahren, daß das Haus der Buddenbrooks vorher den 

Ratenkamps gehört hat, die Bankrott gemacht haben. Davor jedoch hatten sie eine 

ebenso glänzende Zeit gehabt wie jetzt die Buddenbrooks. Und auch zu ihrer Glanzzeit 

wie zur Zeit ihres Niedergangs stand über der Haustür "Dominus providebit". Der 

Spruch hat den glänzenden Auf- und den entwürdigenden Abstieg begleitet und steht 

nun unerschütterlich da, als Buddenbrooks ihren prunkvollen Einzug halten. Es liegt also 

nahe, auch bei ihnen an die Möglichkeit des Niedergangs zu denken, zumal eine Fülle 

anderer darauf hindeutender Anspielungen im Text zu finden ist. Wenn am Ende des 

Romans Hagenströms in der Mengstraße einziehen, steht der Spruch noch immer da. 

Auch Hagenströms beziehen das Haus auf dem Zenith ihres Wohlstandes - und auch für 

den ihnen bevorstehenden Abstieg sind zahlreiche Anzeichen erkennbar, wenngleich 

                                                 

64

Vgl. M,I,177f. 



65

Vgl. Vogt: Buddenbrooks, S.24 

66

Vgl. Schleifenbaum: Gestaltanalyse, S.41 



67

Vgl. Vogt: Buddenbrooks, S.24f. 




 

 

29



dieser nicht mehr im Roman selbst stattfindet.

68

 Der Erzähler weist explizit darauf hin, 



daß "nun unter dem 'Dominus providebit' der Name Konsul Hermann Hagenströms zu 

lesen war"  (M,I,609). Die Deutung dieser Aussage überläßt er jedoch dem Leser, der 

rückblickend auf den Beginn des Romans das Schicksal der Hagenströms ahnt. 


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