Die Jungengruppe an der Gesamtschule Obere Aar, Taunusstein



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Sana25.06.2017
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Geschlechtsbezogene Prävention:

Die Jungengruppe an der Gesamtschule Obere Aar, Taunusstein

Jungenarbeit hat ihre rechtliche Grundlage im Kinder- und Jugendhilfegesetz, in dem die Jugendhilfe aufgefordert wird, „die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern“ (§9 Abs. 3 KJHG). Durch diese Grundlage kann in der modernen Gesellschaft Unterstützung angeboten werden, dass Jungen eine autonome Geschlechtsidentität entwickeln. Darüber hinaus stellt Jungenarbeit einen präventiven Rahmen dar, beugt Fehlverhalten vor und bewart die Jungen vor delinquentem Verhalten.


Die Jungengruppe an der IGS Obere Aar Taunusstein besteht bereits im 7. Jahr. Sie wird getragen von einer Kooperation zwischen der Schule (Finanzierung, Räume), der Schulsozialarbeit und einem Freiem Träger der Jugendhilfe ‚Verein für individuelle Erziehungshilfen e.V., Wiesbaden’ (Fachlichkeit und Umsetzung). Die Durchführung obliegt zwei männlichen Kollegen.
Zielgruppe
Jungen im Alter von 10 -13 Jahren, die auffällig sind in ihren Verhaltensweisen, sowohl sich selbst wie auch anderen gegenüber
Zeitlicher Umfang


  • kontinuierliches Gruppenangebot mit einem Termin pro Woche

  • über ein Schuljahr


Ziele
Wir verstehen unser Angebot „Jungengruppe“ als zielgerichtete pädagogische Intervention und somit als Hilfe zur Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen bei männlichen Kindern und Jugendlichen
Ziele sind

  • Stärkung der Beziehungs- und Verantwortungsfähigkeit

  • Einübung und Reflexion der Regeln des Zusammenlebens

  • Abbau von Ängsten und Vorurteilen

  • Zielgerichtete Förderung des kreativen Potentials

  • Sinnvolle Freizeitgestaltung

  • Auseinandersetzung mit Rollenerwartungen und dem eigenen Verständnis als Junge

Rahmen und Strukturen
Regelmäßige Treffen einmal wöchentlich; die Freiwilligkeit der Teilnahme ist Voraussetzung

Die Inhalte werden von der Gruppe selbst bestimmt.

Es werden gemeinsame Regeln aufgestellt.

Bei Regelverstoß konfrontieren wir die Jungen im ersten Schritt mit den natürlichen Konsequenzen ihres Tuns. Zusätzlich wird das nicht Einhalten von Regeln durch das Verteilen von Karten visualisiert und „kommentiert“: gelb, gelb-rot, rot.

Als letzte Sanktion dient der Ausschluss aus der Gruppe.
Methode
Die Gruppenarbeit ist stark erlebnisorientiert. Wir greifen den Bewegungsdrang der Jungen auf und arbeiten mit deren Bedürfnis nach Abenteuer, Gruppenerfahrung und Spaß.

Methodisch orientiert sich unsere Arbeit am Ansatz des „Adventure Based Counselling“.

Im Adventure Based Counselling wird der Aspekt der Sprache und der kommunikativen Aufarbeitung hervorgehoben und postuliert, man solle über das reden, was man erlebt. Erleben und Reden gehören hier zusammen, denn die Wirkung entfaltet sich, diesem Ansatz folgend, im Zusammenspiel von Tun und Sprechen, wobei Sprache sowohl das eigene innere Erleben, als auch den Bezug zu Außenwelt widerspiegelt, und so die Wirklichkeit zu erfassen hilft.

Die Wirkung des Ansatzes entfaltet sich im Wechselspiel zwischen Vorbereitung, Aktion und Reflexion.




  • Die Gruppe wird mit Aufgaben konfrontiert, zu deren Umsetzung ein gemeinsames Handeln aller Gruppenmitglieder nötig ist. Da es in der Regel mehr als nur eine Lösungsmöglichkeit gibt, muss sich die Gruppe zunächst auf eine gemeinsame Handlungsstrategie einigen und diese dann kooperativ und kreativ umsetzen.

  • Anhand der Aktivitäten werden bestehende Verhaltensweisen reflektiert, Alternativen gemeinsam entwickelt und im Verlauf des Gruppenprozesses wird Neues ausprobiert. Die Teilnehmer erfahren unmittelbar, wie ihr

eigenes Verhalten zur Lösung von Problemen beitragen kann.

  • Die Aktivitäten werden gemäß der von den Gruppenmitgliedern genannten Themen und Zielen reflektiert und besprochen. Hierbei werden Parallelen zum Alltag und Transfermöglichkeiten nicht aus den Augen verloren, damit neu gewonnene Einsichten und Erfahrungen den Kurs überdauern können.


planen

Gemeinsam vorbereiten ; Ziele setzen; Strategien entwickeln; sich für Erfahrungen öffnen



handeln

Gemeinsam aktiv werden; sich gegenseitig unterstützen; vollen Einsatz bringen



auswerten

Gemeinsam Rückschau halten, Ziele überprüfen; Alternativen finden




Aktivitäten sind unter anderem
Rope Course / Hochseilklettergarten / Kletterwand

City- Bound (erlebnispädagogische Aktionen in der Stadt, bei denen das gewohnte Umfeld aus einer anderen Perspektive heraus wahrgenommen werden kann und neue Bereiche erschlossen werden)

Bogenschießen, Kartbahn, Minigolf, Bowling

Schwimmen, Fußballturnier, Fahrradtour

Orientierungslauf, Schlittschuh laufen

Übernachtung im Freien

New Games (Spiele ohne Verlierer) und Problemlösespiele

Elternarbeit
Verfolgen wir den Gedanken der Prävention ernsthaft, so braucht es die Mitarbeit und Vernetzung aller am Erziehungsprozess Beteiligten. Somit stellt die Arbeit mit den Eltern einen nicht zu vernachlässigenden Faktor dar.
Sie geschieht in Form eines Elternabends vor Beginn der Gruppe und durch gezielte Einzelgesprächen im Verlauf des Jahres, bei Bedarf auch in Form von Hausbesuchen.


Auswertung
In der Auswertung der Jungengruppe unterscheiden wir zunächst zwischen qualitativer und quantitativer Ergebnissicherung.
Qualitative Ergebnissicherung
Die qualitative Ergebnissicherung baut auf Feedbackgesprächen und den Reflexionsrunden während des Projektes auf und bezieht sich dabei auf den Lernerfolg der Gruppe. Es geht um eine zusammenfassende und abschließende Bewertung der Gruppenentwicklung, die im Laufe des Schuljahres beobachtet und dokumentiert wurde. Gleichzeitig wurde damit auch die Ergebnissicherung für den Alltag besprochen.
Exemplarische Fragen an die Teilnehmer und deren am häufigsten gegebenen Antworten:
Was waren die deutlichsten Veränderungen in der Gruppe?


  • Der Umgang untereinander

  • Abbau von Vorurteilen gegenüber anderen Mitschülern

Wie beurteilt ihr die Veränderungen eurer Zusammenarbeit und woran erkennt ihr dies?



  • Disharmonien und die Verweigerung der Zusammenarbeit mit sog. „Nichtfreunden“ nahm im Verlauf des Projekts deutlich ab

  • Wir haben gelernt als Team zu funktionieren

Welche Ziele habt ihr in diesem Kurs erreicht?



  • Ein kontrollierter Umgang mit Konflikten im Alltag

  • Besserer Umgang mit unseren Mitschülern

  • Konfliktfähigkeit

  • Teamfähigkeit

In welcher Weise werden euch die im Programm gemachten Erfahrungen im Schulalltag weiter helfen?





Quantitative Ergebnissicherung
Im Laufe des Projekts schätzen sich die Teilnehmer anhand einer numerischen Skala mehrmals ein. Abgefragt werden z. B. Einschätzungen wie „Unsere Zusammenarbeit bewerte ich mit…“ oder „In unserer Gruppe traue ich mich offen zu sprechen“.
Zu Ende des Schuljahres bekommt jeder Junge einen Selbsteinschätzungsbogen (Zielscheibe).

Gestellte Fragen:

  • Ich kann mich an die Gruppenregeln halten

  • Mir gefällt was wir in der Gruppe machen

  • Ich komme mit den anderen in der Gruppe gut aus

  • Ich lerne Probleme in Gesprächen zu lösen

  • Gesamtbewertung

Bei dieser Einschätzung der Teilnehmer wurden überwiegend positive Bewertungen abgegeben.


Bewertung durch andere
Durch ein attraktives Angebot im vergangenen Schuljahr, welches sich durch eine hohe Anzahl an Sportaktivitäten auszeichnete, konnte eine deutliche Stärkung der Beziehungs-, und Verantwortungsfähigkeit der Jungen erreicht werden. Dies bestätigten uns mehrfach Lehrkräfte, die Fortschritte im Unterrichtsalltag bei den teilnehmenden Jungen feststellten. Weiter wurde angegeben, dass die Motivation sich aktiv am Unterricht und bei der Gruppenarbeit zu beteiligen stieg.

Eltern meldeten uns zurück, dass durch Förderung des kreativen Potentials neue Interessen ihrer Söhne geweckt wurden und somit auch nachhaltig eine sinnvolle Freizeitgestaltung gesichert wurde.



In höheren Klassenstufen wurde beobachtet, dass ehemalige Teilnehmer der Jungengruppe bei sozialen Gruppentrainings in der Klasse eigenständiges Handeln und sicheren Umgang mit der Gruppe nachwiesen.


Bärbel Buchwald / Andreas Stahl 31.08.11

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