Br. Pirminius Patrick Thomas Seber sjb



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Sana28.06.2017
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- Br. Pirminius Patrick Thomas Seber SJB
- 21 Jahre
- Wörth am Rhein
- Ordensbruder und Theologiestudent
- evangelisch-lutherisch

Der preußische Talar war nicht als explizites liturgisches Gewand gedacht, sondern als reine Standeskleidung für Juristen, Rabbiner und Pfarrer, die als preußische Staatsbeamte ihren Dienst versahen. Er wurde in der preußisch-protestantischen Kirche unter der Prämisse eingeführt, liturgischem Wildwuchs ein Ende zu bereiten, nachdem seit der Aufklärungszeit der Gebrauch der Meßgewänder immer weiter schwand und die Geistlichen etwa mit Reithosen und Stulpenstiefeln auf die Kanzel stiegen. Darüberhinaus beinhaltete die Kabinettsordre, daß überall dort, wo die hergebrachten Meßgewänder noch in Gebrauch waren, auch redlich weiter in Gebrauch bleiben sollten. Aus diesen Erwägungen heraus ist die Einführung des preußischen Talars tatsächlich ein Fortschritt und Segen für die damalige Zeit gewesen und entsprach dem damaligen Modebewußtsein des Biedermeier.


Was als gutgemeintes Interim gedacht war, hat sich allerdings bis heute im deutsch-protestantischen Bereich gehalten: Provisorien halten eben am längsten. Allerdings hat das schwarze Gelehrtengewand längst seinen Sinn eingebüßt, darüber hinaus ist es kein liturgisches Gewand wie etwa die Albe, sondern reduziert den Liturgen auf einen "Herrn Professor", also auf das genaue Gegenteil seiner gottesdienstlichen Funktion.
Die Farbe schwarz wird in der Bibel stets mit negativen Beispielen in Berührung gebracht, ist Zeichen des Verderbens, der Sünde, Gottesferne, des Todes und der Verwesung; schwarz ist Trauerfarbe. So tragen die Geistlichen auch als ihre Standesfarbe das Schwarz in ihren Talaren und Collaren, allerdings zum Zeichen eben jener Trauer über diese vergängliche Welt, der Hinweis auf das verderbte Ich. In der Liturgie, wo wir Christen die Verbindung des Himmels mit der Erde feiern, das große mysterium fidei, hat schwarz keinen Platz, sondern dort werden die weißen Gewänder der Erlösten, die Taufgewänder in Form der Albe und für alle ordinierten Amtsträger der Kirche in ihren jeweiligen Rängen und Funktionen die Amtszeichen von Stola, Kasel, Dalmatik und Pluviale über das schwarze Standeskleid angelegt: Wir sind die, die im "Blut des Lammes weiß gewaschen sind" (Offenbarung 7,14). Es entspricht der leiblichen Dimension der Kirche, diese Grundwahrheit nicht allein theoretisch, sondern gerade auch praktisch konkret umzusetzen, und so haben bereits die ersten Christen die weißen Gewänder zur Liturgie angelegt.

Die weltkirchliche, spezifisch die lutherische Gottesdienstpraxis zeigt unter den reformatorischen Kirchen, dass neben der traditionellen Form der Liturgie gerade auch die hergebrachten Gewänder der Kirche immer in Gebrauch waren und es bis heute sind. Deutschland spielt hier eine große Sonderrolle, und das Festhalten am preußischen Talar als gottesdienstlicher Kleidung stellt neben einer großen Sünde des Missbrauchs des Gottesdienstes als konfessioneller Selbstvergewisserung protestantischer Lokaltraditionen vor allem jene Provinzialität der deutschen evangelischen Kirche dar, die bereits Pastor Heinrich Hansen 1917 und Prof. Friedrich Heiler in den 1920er Jahren angeprangert haben.


Der Talar ist Standeskleidung, und ebenso wie das Beffchen (welches bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls zu römisch-katholischer Amtstracht gehörte!) kann er nicht nachträglich zu einem liturgischen Gewand erklärt werden. Die EKD-Landeskirchen täten gut daran, sich dieser Fragestellung mehr zu öffnen und zumindest auf lutherischem Gebiet die Offenheit für die eigene Tradition und das Wiederentdecken derselben hinter den letzten 200 Jahren zu zeigen, die sie für die Gläubigen und die Welt braucht.

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