Josef Baum1


Aspekte der historischen Bevölkerungsentwicklung im Raum der heutigen Gemeinden Allentsteig und Pölla



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Sana24.01.2017
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Aspekte der historischen Bevölkerungsentwicklung im Raum der heutigen Gemeinden Allentsteig und Pölla

Zum Raum Allentsteig gibt es eine Fülle von Literatur, wobei der Schwerpunkt auf der Periode der Absiedlung ab 1938 liegt (Schindler, 1988; Polleroß, 1988; Metternich-Sandor, 1988; Gunz, 1988; Gobl, 1989; Petrin/Rosner, 1991; Komlosy, 1991; Berger, 1992; ÖIR, 1993; Baum, 1998; diverse Festschriften und anderes). Zu Pölla gibt es profunde geschichtliche Untersuchungen9 über längere Zeiträume.


Die heutige Gemeinde Pölla weist zwischen 1934 und 1951 einen Bevölkerungsrückgang von 2.631 Personen oder 60 % auf. Die Bevölkerungsverringerung am Territorium der heutigen Gemeinde Allentsteig betrug 866 Personen oder 22 %, in Göpfritz/Wild 248 Personen oder 9 %. Hierin drücken sich die „Nettoentwicklungen“ aus. Die Zahl der ab 1938 Abgesiedelten ist deutlich größer. Folgende Anzahlen von Abgesiedelten wurden später den angeführten Gemeinden zugeordnet:
Zwettl: 1267

Pölla: 4410

Allentsteig: 1232

Röhrenbach: 105

Göpfritz: 197
Die sich daraus ergebende Gesamtzahl von 7211 ist allerdings jedenfalls nicht vollständig, die tatsächliche Zahl der Abgesiedelten dürfte etwas höher liegen.

Von der Entsiedlung waren 45 Ortschaften betroffen. 1228 Bauernfamilien und rund 200 Gewerbetreibende mussten ihre Heimat verlassen.10

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden zunächst die statistischen Grundlagen der Bevölkerungsentwicklung ab 1869 für den Raum des früheren Gerichtsbezirks Allentsteig11 einschließlich der heutigen Gemeinden Allentsteig und Pölla sowie für den Bezirk Waidhofen/Thaya auf Katastralgemeindeebene als kleinste Einheit erhoben12.


  • Bemerkenswert ist die weit überdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung der heutigen Katastralgemeinde Allentsteig von 1869 bis 1910 von +68 %.

Auffällig erscheint auch die Entwicklung der Anzahl der Häuser im Ort Allentsteig und zwar auf 2-fache Weise. Allentsteig ist einerseits der einzige Ort im betrachteten Gebiet, der von 1869 bis 1910 einen stetigen bemerkenswerten Zuwachs sowohl bei den Häusern wie bei der Gesamtbevölkerung verzeichnet. Andererseits gibt es zwischen 1900 und 1910 einen Sprung bei den Häusern von 178 auf 214.

Es gibt eine starke Bevölkerungszunahme im gesamten Gerichtsbezirk Allentsteig zwischen 1900 und 1910: +6,2 %13. Vorher war von 1869 bis 1900 in den Gemeinden Göpfritz/Wild und Pölla ein Bevölkerungsrückgang zu beobachten. Für Pölla liegt der Hauptfaktor in der vergleichsweise ungünstiger werdenden Verkehrserschließung nach dem Bau der Franz-Josefs-Bahn; Göpfritz/Wild hatte in der Zeit vorher eher eine überdurchschnittliche Entwicklung.
Ab 1860 ist in Allentsteig eine Aufbruchsentwicklung zu beobachten. 1868 wird die Sparkasse gegründet, die Bahn wird 1869 fertiggestellt. Die Haltestelle wird jedoch erst 1885 errichtet, 1892 der Bahnhof in Thaua eröffnet. Das Siechenheim wird in Allentsteig gebaut, ein Spital wird eingerichtet; beide sind bevölkerungsrelevant. Andere zentralörtliche Einrichtungen entstehen, die Infrastruktur wird deutlich ausgebaut. Diese Entwicklung entspricht der Expansion der Gründerzeit, die in größeren Städten noch wesentlich stärker zum Tragen kam. In Allentsteig ist dieser Zeitabschnitt mit dem Namen des dynamischen Bürgermeisters August Dötz verbunden (1874 – 1907). Vergleichbare Orte wie Gars oder Eggenburg erlebten ähnliche Aufwärtsentwicklungen in diesen Jahrzehnten.
Der Bevölkerungszuwachs könnte auch durch statistische Effekte der Eingemeindung der Allentsteiger "Vorstädte" mitverursacht sein. Jedoch dafür, dass es sich nicht um Einzeleffekte, sondern doch um eine allgemeine Entwicklungstendenz handelt, spricht, dass der Bevölkerungszuwachs zwischen 1869 und 1910 ziemlich kontinuierlich verläuft, und dass der Zuwachs Hand in Hand mit einer analogen Veränderung der Häuseranzahl geht.



  • Verschiedene Muster der räumlichen Bevölkerungsentwicklung

Bei Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung in den Katastralgemeinden des früheren Gerichtsbezirkes Allentsteig14 ab 1951 ergibt sich für Allentsteig, Echsenbach und Schwarzenau ein ähnliches Entwicklungsmuster der Bevölkerungskonzentration auf die Hauptorte wie für den Bezirk Waidhofen/Thaya oben nachgewiesen wurde. Für Pölla und Göpfritz/Wild ist dieses Muster nur mäßig ausgeprägt. Dies dürfte in der Gemeinde Pölla vor allem damit zusammenhängen, dass in der Gemeinde Pölla die Bevölkerungsdifferenz zwischen einzelnen Katastralgemeinden generell nicht so ausgeprägt ist.


Im betrachteten Territorium der heutigen Gemeinden Pölla und Allentsteig gibt es ab 1869 innerhalb der folgenden 50 Jahre unterschiedliche Muster der Bevölkerungsentwicklung, welche offenbar mit der jeweiligen Größe eines Gemeindehauptortes zusammenhängen.

  1. Aufstreben des Hauptortes - beträchtlicher Rückgang in den umliegenden Dörfern: So in Allentsteig und umliegende Dörfer.

  2. Leichter allgemeiner Rückgang, eher stabile Entwicklung des Hauptortes: So um Döllersheim.

  3. Gemäßigter allgemeiner Bevölkerungsrückgang: So um Altpölla.

Beispiele für deutliche Abwärtsentwicklungen der Bevölkerungszahl um Allentsteig:



Tabelle 13





Bevölkerung
















KG
















Bernschlag

Steinbach

Zwinzen

Bernschlag

1951=100


1869

266

150

162







1880

271

137

140







1890

273

118

147







1900

279

126

139







1910

257

113

163







1923

232

135

122







1934
















1951

234

88*

120

100




1961

211

66*

112

90




1971

212




108

91




1981

176




96

75




1991

153




92

65




*vorübergehend wieder besiedelt



















Quelle: ÖSTAT, ÖIR; Bearbeitung: Hofmann/Baum


  • Konfessionsstruktur:

Nicht überraschend ist die absolute Dominanz der katholischen Konfession und das fast gänzliche Verschwinden der jüdischen Konfession - entsprechend den Volkszählungsdaten nach 1934. Eher weniger bekannt dürfte sein, dass sich in den Zählungen nach 1934 die evangelische Konfession deutlich präsenter zeigt (in Allentsteig von 2 im Jahre 1910 auf 46 im Jahre 1951, analog Pölla). Dies dürfte mit Zuwanderungen im Zusammenhang mit dem TÜPl einerseits zusammenhängen bzw. eine "Nebenwirkung" der nationalsozialistischen Ära sein.


Tabelle 14





Konfession, absolut 1880 bis 1991
















Neupölla






















katholisch

israelitisch

evangelisch

andere

konfessionslos







1880

454

10
















1890

485

7

-













1900

480

12
















1910

472

5
















1934

382











































1951

342




2
















Pölla, gesamt



















1991

1047




8

7

19




















































Quelle: ÖSTAT; Bearbeitung: Hofmann/Baum


Tabelle 15



Quelle: ÖSTAT; Bearbeitung: Hofmann/Baum




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