Josef Baum1



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uelle: ÖSTAT, Berechnung Baum




  1. Historische Bevölkerungsentwicklung im Waldviertel und europäischer Vergleich


Die langfristige Entwicklung der Bevölkerung im Waldviertel weicht zum Teil von der österreichischen und gesamteuropäischen Entwicklung ab.

Dies hängt zunächst schon damit zusammen, dass das Waldviertel im Wesentlichen erst zu Beginn des Jahrtausends annähernd flächendeckend besiedelt wurde.


Im Folgenden wird unter Waldviertel der geografische Raum nördlich der Donau und westlich des Manhartsbergs inklusive Wachau und Krems verstanden.
Es werden Daten aus historischen (Standard)Werken verwendet, die für frühere Jahrhunderte auf Schätzungen beruhen. Dabei wird meist vom Häuserbestand auf die Bevölkerungszahl geschlossen. Auch Militärkonskriptionen sind wichtige Unterlagen. Wenngleich in der Literatur diese Daten nicht unumstritten sind, geht es hier vor allem um Tendenzen und Größenordnungen.
Am Häuserbestand und wahrscheinlich an der Bevölkerungszahl hat sich von der Mitte des 13. Jahrhunderts – Ende der Kolonisationszeit – bis zum Ende des 16. Jahrhunderts insgesamt nur wenig geändert6. Ein wesentliches Interesse an der Besiedlung war sehr relativiert worden, nämlich die „Sicherung der Nordgrenze“ – nachdem Böhmen vom österreichischen Kaiserhaus einverleibt wurde.
Europa erlebte im genannten Zeitraum allgemein durch Seuchen und Agrarkrisen zunächst einen eminenten Rückgang ab 1300 und etwa ab 1400 wieder eine deutliche Zunahme.

Zwischen 1654 und 1785 tritt für das Waldviertel in etwa eine Verdopplung der Bevölkerung ein. Dies war die Epoche der historisch stärksten Zunahme der regionalen Bevölkerung im Waldviertel. Allerdings ist hier nach den Verheerungen des 30-jährigen Krieges davon auszugehen, dass beträchtliche „Wiederauffülleffekte“ einbezogen sind. Sicherlich auch dadurch ist die im Vergleich höhere Zunahme zu erklären (1658 lagen im Waldviertel 36 % der Häuser öde7). Jedenfalls waren die Zunahmeraten der Bevölkerung im Waldviertel bis 1785 insgesamt nicht geringer als in Niederösterreich – Wien – Österreich und Gesamteuropa.

Dies dürfte im Wesentlichen mit der großen Dominanz der Landwirtschaft bzw. dann der relativ geringeren Industrialisierung zu tun haben. Lange Zeit war für die Bevölkerungsentwicklung vor allem die Ertragssituation in der Landwirtschaft maßgeblich, die gerade im Waldviertel viele Grenzertragsböden aufweist.

Eine andere Betrachtungsweise liefert ein ähnliches Ergebnis: Die Bevölkerungsdichte des Waldviertels entsprach bis zum Ende des 18. Jahr­hunderts in etwa dem niederösterreichischen Landesdurchschnitt. Seitdem sinkt die Relation zum Landesdurchschnitt. 8

Zwischen 1750 und 1800 wächst die Bevölkerung in Europa um etwa 34 %. Das Tempo beschleunigt sich im folgenden Jahrhundert. Zwischen 1800 und 1850 wächst die europäische Einwohnerzahl um 43 %, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sogar um 50 %. Heute leben in Europa etwa 600 Millionen Menschen, knapp fünfmal so viel wie vor 200 Jahren (Felderer/Sauga Seite 21).

Ab 1800 wächst die Bevölkerung auch im Waldviertel beträchtlich weiter, die Wachstumsraten von Gesamteuropa in der industriellen Revolution kann es jedoch nicht mehr erreichen. 1796 – 1890 „wuchs die Bevölkerung des Waldviertels um knapp 40 % an und

damit bereits deutlich langsamer als ganz Niederösterreich (ohne Wien, heutige Grenzen), das in diesem Zeitraum um etwa 60 % zunahm.“ (Klein 1992, Seite 5) Im Vergleich dazu: „Die Gerichtsbezirke Purkersdorf, Mödling und Baden haben heute mehr als fünfmal so viele Einwohner wie zu Ende des 18. Jahrhunderts, ebenso die Städte St. Pölten und Wiener Neustadt“ (Klein: 1988, Seite 99)
Das Waldviertel erreicht – wie Niederösterreich und Wien zusammen - ein historisches Bevölkerungsmaximum vor dem ersten Weltkrieg, gemessen in der Volkszählung 1910 mit 291.250 Einwohnern. Hierauf nimmt die Bevölkerung tendenziell ab, während in Europa insgesamt weiter ein stürmisches Wachstum erfolgt.

„Es gibt in Österreich kein annähernd so großes Gebiet, das über die Jahrhunderte hinweg eine so geringe Bevölkerungszunahme hatte. Die Gesamtbevölkerung des heutigen Österreich hat sich in dieser Zeit immerhin fast vervierfacht – und das ist im europäischen Vergleich immer noch ein sehr geringes Wachstum.“ (Klein K. 1988, Seite 103)


Tabelle 11

Historische Bevölkerungsentwicklung Waldviertel – Vergleich NÖ-Wien, Österreich und Europa


Jahr

Waldviertel in 1000

Europa in Mio.

NÖ+Wien in 1000

Österreich in 1000
















1300

Laut

73







1350

Klein

51







1400

(1988)

45







1450

in etwa

60







1500

gleichbleibend

69







1527

bis ins




500

1500

1550

16.Jhd.

78







1600




90

580

1800

1650




103







1654

99,5










1700




115

630

2100

1750




125







1754







922,2

2728

1780







974

2970

1785

194










1800




187

1028,8

3064

1803

204










1828

226










1850




274

1527,9

3879,7

1851

250










1880

279,7




2314,972

4963,142

1900

283

423

3079,636

6003,777

1910

291,25




3508,865

6648,311

1923

278,6




3345,605

6534,742

1934

279,6




3382,559

6760,233

1939

275










1950




594







1951

269




3016,596

6933,905

1961

257




3001,578

7073,807

1971

255




3029,002

7456,403

1981

244




2959,195

7557,667

1991







3013,661

7795,786

Quellen: Klein K. (1988): Auswertung statistischer Quellen. In Kerschbaum U./Rabl E. (Hg): Heimatforschung heute (Seite 102); Glough S.B./Rapp R.T. (1975): European Economic History, zitiert nach: Felderer B./Sauga M (1988): Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung (Seite 15); Klein K. (1973): Die Bevölkerung Österreichs vom Beginn des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts; in Helczmanofszky H. /Hg.) (1973): Beiträge zur Bevölkerungs- und Sozialgeschichte Österreichs; ÖSTAT




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